Kreuzfahrtreedereien sind Innovationsführer bei der Entwicklung von technischen Lösungen für weniger Luftemissionen

Gesetzlicher Fahrplan zur Emissionsminderung bereits beschlossen – weiterführende Regelungen perspektivisch möglich • Maßnahmen der Kreuzfahrtindustrie übersteigen gesetzliche Bestimmungen • Emissionsminderungen nicht zwingend erforderlich, um Grenzwerte einzuhalten • Kreuzfahrtindustrie übernimmt Vorbildfunktion im maritimen Umweltschutz • Flüssigerdgas zukünftiger Schiffstreibstoff

„Bei der Entwicklung und beim Einsatz neuer Technologien und Lösungen zur Minderung der Luftemissionen, hat die Kreuzfahrtindustrie eine Vorreiterrolle eingenommen. Die Reedereien leisten schon heute sehr viel, um die Umwelt weniger zu belasten – oft mehr, als die gesetzlichen Vorschriften es verlangen. Und das nicht nur bei den Luftemissionen, sondern auch bei einem breiten Spektrum weiterer Umweltthemen wie Abwasserreinigung, Müllentsorgung oder Energieeffizienz. Natürlich sind noch nicht alle Probleme gelöst und es bleibt einiges zu tun. Den weiteren Herausforderungen zum Schutz der maritimen Umwelt stellen wir uns. Denn nur saubere Meere und Destinationen führen zu einem gelungenen Kreuzfahrterlebnis.“ Zu diesem Fazit kommt der National Director von CLIA Deutschland, Helge Grammerstorf anlässlich des ersten Environment Day der Kreuzfahrtindustrie.

Die Veranstaltung, die CLIA Deutschland zusammen mit dem Baltic Sea Forum e.V. ausrichtete, fand am 5. Juni in der Handelskammer Hamburg statt. Hochkarätige Experten referierten und diskutierten zum diesjährigen Schwerpunktthema „Umweltschutz und Luftemissionen“. Der Vortrag von Rechtsanwalt Dr. Hans-Heinrich Nöll verdeutlichte, dass der gesetzliche und regulatorische Rahmen zur Emissionsminderung feststeht und viele Maßnahmen der Kreuzfahrtindustrie bereits die gesetzlichen Anforderungen übersteigen. Über die heute geltenden Vorschriften hinaus sind weitere Maßnahmen bereits völkerrechtlich verbindlich beschlossen. Dazu gehören beispielsweise die Ausweitung der Emission Control Areas (ECA) und eine weitere Senkung der Emissionsgrenzwerte.

Um Schwefel- und Stickoxid-Emissionen zu vermeiden, sind laut Dr. Tilmann Greiner, Senior Vice President MAN Diesel & Turbo PrimeServ Hamburg, Abgaswäscher-Technologien, sogenannte Scrubber, eine geeignete Übergangslösung. Schwefeloxide können beispielsweise durch externe Nass- und Trocken-Scrubber gefiltert werden. Der Vorteil: Auch bereits bestehende Schiffe können mit diesen Anlagen nachgerüstet werden. Um Stickoxide zu filtern, kann ein Scrubber im Schiffsmotor integriert werden, sodass die Stickoxidemissionen um 80 Prozent oder mehr reduziert werden. Die Zukunft der Schifffahrt liege allerdings in der Nutzung von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas – LNG) als Treibstoff, erklärte Greiner.

Welche Hürden und Schwierigkeiten es beim Einbau oder Nachrüsten einer Abgasnachbehandlungsanlage auf Kreuzfahrtschiffen gibt, präsentierte Thomas Wendlandt, Projekt Manager von Blohm + Voss Repair GmbH, anhand einer Fallstudie. „Das Platzproblem stellt die größte Herausforderung für den Einbau von Scrubbern dar. Oft müssen die vorgefertigten Anlagen-Teile im Schiffsinneren zusammengebaut werden, wo es nur wenige Zentimeter Spielraum gibt.“

Ein Schlüsselfaktor, um bei Kreuzfahrtschiffen Treibstoff zu sparen und damit Emissionen zu reduzieren, sei die Effizienzsteigerung, zeigte Ramona Zettelmaier, Senior Marine Client Manager von Bureau Veritas, in ihrem Vortrag. Dies könne man zum Beispiel durch geänderte Bugformen, wassereinsparende Maßnahmen oder moderne Klimaanlagen erreichen.

Dipl.-Phys. Dr. Bernd Burandt, Geschäftsführender Gesellschafter der LAIRM CONSULT GmbH, befasste sich mit dem Thema Landstromanschluss und den Möglichkeiten, Luftschadstoffe im Hamburger Hafen zu mindern. Er kam zu dem Schluss, dass Emissionsminderungen natürlich grundsätzlich sinnvoll sind. Zur Einhaltung von Grenzwerten wären sie jedoch nicht zwingend erforderlich: da Messungen am Hafen und im Stadtinneren zeigten, dass die gesetzlichen Grenzwerte für das Jahresmittel nicht überschritten werden. Nichtsdestotrotz arbeitet die Stadt gemeinsam mit den Kreuzfahrt-Reedereien an Lösungen für eine „grünere Schifffahrt“.

Wie die Landstromversorgung von Kreuzfahrtschiffen aussehen kann, zeigte Hendrik Hollstein von der Port Authority Hamburg am Beispiel des Hamburger Hafens. Dort wird am Kreuzfahrtterminal Altona eine Landstromanlage gebaut, die ab Sommer 2015 Kreuzfahrtschiffe mit Landstrom versorgen soll. Auch am Kreuzfahrtterminal HafenCity wird in Zukunft mit LNG-Power-Bargen (schwimmende Kraftwerke) eine alternative Stromversorgung möglich sein. Die landseitige Infrastruktur und den Liegeplatz dafür wird die Stadt Hamburg bauen. Ziel sei es, Kreuzfahrtschiffe ab September 2014 mit LNG zu versorgen, so Hollstein.

Insgesamt wurde durch die Vorträge und Diskussionen deutlich, dass Liquified Natural Gas (LNG) das größte Zukunftspotenzial auch im Hinblick auf den Umweltschutz zugeschrieben wird – ob für die Stromversorgung während der Liegezeiten durch LNG-Bargen oder als Schiffstreibstoff anstelle von Dieselkraftstoff. Für den breitflächigen Einsatz muss die Branche noch technische Hürden wie Platzprobleme, fehlende Nachrüstungslösungen für bestehende Flotten oder Infrastrukturprobleme überwinden. Bis LNG als Treibstoff auch auf längeren Fahrten und größeren Schiffen eingesetzt werden kann, wird es noch etwas Zeit beanspruchen. Aber bis es soweit ist, arbeitet die Industrie mit Hochdruck an Lösungen, um die bestehenden und die kommenden Kreuzfahrtschiffe, die mit Marinediesel betrieben werden, grüner zu machen. Diese Anstrengungen zeigen, dass die Branche insgesamt auf einem sehr guten Weg ist, ihre Umweltbilanz kontinuierlich zu verbessern.

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