Strengere Schadstoffgrenzwerte für Schiffskraftstoffe könnten weltweit tausende Todesfälle verhindern

NABU fordert weltweit sauberere Schiffskraftstoffe zum Schutz von Gesundheit, Natur und Klima

Eine neue Studie des International Council on Clean Transportation (ICCT) zeigt eindrucksvoll: Eine weltweite Absenkung des Schwefelgrenzwerts für Schiffskraftstoffe von derzeit 0,5 Prozent auf 0,1 Prozent würde die Luftverschmutzung erheblich verringern, tausende vorzeitige Todesfälle verhindern, enorme Gesundheitskosten einsparen und gleichzeitig die Klimaschutzbestrebungen unterstützen. Der NABU fordert daher die Ausweitung dieser Regeln auf alle Seegebiete, sowie ein globales Verbot von Abgaswäschern (Scrubbern).

Das Szenario, bei dem ausschließlich schwefelarme Destillatkraftstoffe (z. B. Marine Gas Oil) genutzt werden, erzielt die mit Abstand größten Gesundheits- und Umweltvorteile. Im Vergleich zum Status quo würden die Schwefelemissionen weltweit um bis zu 85 Prozent, Feinstaub (PM2.5 und PM10) um bis zu 66 Prozent und Ruß (Black Carbon) um bis zu 41 Prozent reduziert. Jährlich können bis zu 4.500 vorzeitige Todesfälle vermieden und bis zu 11 Milliarden US-Dollar an gesundheitlichen Folgekosten eingespart werden.

„Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Wer die Treibstoffqualität anhebt, schützt nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern auch das Klima und die Natur“, so Sönke Diesener, NABU-Schifffahrtsexperte. „Es ist höchste Zeit diese Standards weltweit zu verankern. Der Schwefelgehalt von Schiffskraftstoffen ist in zahlreichen Emissionskontrollgebieten (ECA) bereits auf 0,1 Prozent begrenzt, etwa in Nord- und Ostsee, im Mittelmeer und bald auch im Nordost-Atlantik. Diese Umstellung ist problemlos möglich, was es umso unverständlicher macht, dass vielen Menschen auf der Welt immer noch besonders giftigen Schiffabgasen ausgesetzt werden.“

Die ICCT-Studie verdeutlicht zudem, dass strengere Schwefelgrenzwerte die Wettbewerbsfähigkeit klimafreundlicher Antriebe stärken. Durch den vorgeschriebenen Wechsel von Schweröl zu teureren, schwefelärmeren Kraftstoffen verkleinert sich der Kostenabstand zu emissionsarmen oder -freien Kraftstoffen wie grünem Methanol oder Ammoniak – ein zentraler Hebel für die maritime Energiewende.

Die Studie macht außerdem deutlich, dass der komplette Verzicht auf Schweröl und Scrubber die größten Gesundheits- und Umwelteffekte erzielt. Scrubber, auch Schwefelwäscher genannt, ermöglichen es Schiffen weiterhin, giftiges Schweröl zu nutzen. So reduzieren sie zwar den Schwefel im Abgas auf das erlaubte Maß, verlagern die Umweltbelastung über das Waschwasser vom Schornstein aber ins Meer.

„Scrubber sind ein fauler Kompromiss: Sie halten den Einsatz von dreckigem Schweröl künstlich am Leben und Führen zu erheblicher Belastung der Meeresumwelt“, so Diesener. „Ein globales Scrubber-Verbot muss die Einführung strengerer Schwefelgrenzwerte begleiten.“

Link zur Studie: Health and air pollution benefits of a global 0.1% fuel sulfur limit on marine fuels ( https://theicct.org/publication/health-and-air-pollution-benefits-of-a-global-fuel-sulfur-limit-on-marine-fuels-jul25/ ).

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